Bevor es gleich ins Eingemachte geht, vorab ein Disclaimer, also sowas wie eine Triggerwarnung, nur für die Leute, die keine Angst vorm Leben haben und nicht davor gewarnt werden müssen, dass sie gleich etwas sehen, hören oder lesen könnten, was ihnen Unwohlsein bereiten könnte. Obwohl genau das so wichtig wäre, ein Plus an Beschäftigung mit dem Rauen, dem Schockierenden, mit allem, was nicht in die selbstaffirmative Personal-Bias-Wellnessblase passt. Ein Disclaimer für die, die aus dem Zusammenhang gerissene Statements gerne für Alarmismus bei der eigenen Klientel nutzen. Ein Disclaimer für die, für die Abstraktion und eine Welt voller Farbnuancen einfach zu komplex ist.
Also, Disclaimer: Es ist ein Skandal, dass schon seit mehr als 15 Jahren ungebremst und vom Zoll unkontrolliert ungetestete (Spielwaren-)Produkte obskurer Provinienz über die deutsche Grenze kommen. Von Endverbrauchern durchgeführte Eigenimporte, die nicht zwingend europäischen Normen, Richtlinien oder Regulatorien entsprechen. Da könnte von Dioxin bis Atommüll alles drin sein, merken würde man es erst dann, wenn die ersten Kunden ihre Haare verlören. Ich glaube vielen Konsument*innen ist nicht einmal im Ansatz bewusst, welcher Gefahr sie sich und ihre Kinder aussetzen. Das bedeutet nicht, dass ganz China aus Verbrechern besteht, ganz und gar nicht. Aber für die Skrupellosen, die Gewissenlosen, die Schamlosen, für die ist das ein Fest. Denn das Business brummt und die Chance erwischt zu werden ist fast gleich Null.
All das in einer Zeit, in der die EU europäischen Unternehmen Gesetze, Normen und Richtlinien auferlegt, die so kleinteilig geworden sind, und so teuer, dass das für Mittelständler oder kleine Unternehmen eigentlich wirtschaftlich nicht mehr darstellbar ist. Nennen wir es beim Namen: Wettbewerbsverzerrung durch Tatenlosigkeit, Förderung des ausländischen Wettbewerbs und Förderung des Unternehmenssterbens und einer unguten Konzentration im Innern.
Aber, und jetzt wird es interessant, deswegen auch die gesamte Vorrede: Alleine Temu liefert etwa 200.000 Pakete täglich nach Deutschland. Und? Sind irgendwem die Haare ausgefallen, blutet irgendwo das Zahnfleisch oder gibt es plötzlich eine signifikante Häufung von Schadensfällen oder Inzidenzen? Nein! Ja, ich habe das wirklich so gesagt, obwohl ich gerade in diesem Moment eine ziemliche Angst bekomme, als Ketzer verbrannt zu werden.
Sollte uns das vielleicht zu denken geben? Sollte uns das vielleicht in der Hinsicht zu denken geben, dass wir uns möglicherweise in einer Phase der Überregulierung von deutschen/europäischen Unternehmen befinden, deren Ergebnis das gleiche ist, wie gar keine Regulierung?
Nehmen wir deutschen Unternehmen vielleicht den Atem und stärken den internationalen Wettbewerb …für nichts? Nicht mal für ein Plus an Sicherheit für die Konsument*innen?
Es gibt für die Optimierung von Systemen jeglicher Art eine einfache Faustregel: Je mehr Optimierungsschritte gemacht werden, desto kleiner wird der nächste Optimierungsschritt und umso teurer. Am Ende geht es nur noch in mikroskopisch kleinen Schritten weiter, deren Signifikanz kaum noch messbar ist, aber dafür astronomisch teuer. Der angestrebte Zusatznutzen geht dann irgendwann einmal gegen Null.
Verbraucherschutz ist ein hohes Gut, und ich bin froh, dass wir in einem Land leben, in dem das so ist. Hier nicht wachsam zu sein, das wäre ein Fehler. Aber besonders laute und besonders aggressive NGOs, also die, die dem Bildungsbürger für teures Geld das Gefühl verkaufen moralisch auf der richtigen Seite zu sein, eröffnen voll Selbstgerechtigkeit und religiösem Eifer die Jagd auf jede und jeden, die sie selbst als Hexe identifizieren. Dabei treiben sie den Gesetzgeber gnadenlos vor sich her. Ob das immer zum Wohl der Verbraucher oder des Landes ist, das ist dabei erst einmal vollkommen irrelevant. Wenn der Taler in der Kasse klingelt, die Seele aus dem Feuer springet.
Keiner will Gesetzlosigkeit oder Anarchie, Macht braucht Kontrolle, aber vielleicht führen zu viele Gesetze nicht zum erwünschten Ziel? Vielleicht sollten wir auch hier mal ausmisten, entstauben, Überregulierung neu überdenken, ohne die Konsument*innen zu gefährden. Vielleicht ist das der Spiegel, den uns Asien gerade sehr eindringlich vor die Nase hält.
Wie sehen Sie das?
