Peter Hollo: Ich brauch keine Rolex und keinen Porsche, aber…

Ich persönlich brauche weder eine Rolex noch einen Porsche. Denn eine Rolex ist mir zum einen zu prollig und zum anderen trage ich seit einigen Jahren gar keine Armbanduhr mehr. Bei nem Porsche denke ich nur an die Folgekosten …und dann habe ich keine Lust mehr. Deswegen fahren wir bei uns daheim einen Dacia und einen Toyota. Das ist einerseits sehr schwäbisch aber auch gleichzeitig sehr unpatriotisch, denn Zuffenhausen liegt nicht so weit weg von meinem Geburtsort.

 

Mein Vater fuhr irgendwann mal Porsche. Und er war unglaublich stolz auf dieses Auto, denn er hatte es sich schwer erarbeitet. Als Kriegskind keineswegs mit dem silbernen Löffel im Mund aufgewachsen. Sondern einer, der das anpackte, was anderen zu anstrengend, zu unangenehm oder zu zeitaufwändig war. Dafür war er oft monatelang weg und getrennt von seiner Familie, in irgendeinem fernen Land am Ende der Welt. Da saßen die anderen Papas längst mit einer Flasche Bier vor dem Fernseher und schauten die Sportschau.

 

Als er zum ersten Mal in unserem kleinen Ort zum Tanken fuhr, da sprach in gleich so ein Sportschau-Papa an: „Da kann man ja sehen, wo das Geld sitzt!“. Das ist im schwäbischen nicht als Kompliment gemeint, für alle die nicht die Gnade dieser Geburt haben.

 

Deutschland ist Neidland! Und dabei ist Lars Klingbeil, wohl eher das Symptom als die Ursache. Wer nen Porsche und ne Rolex hat, der muss ja praktisch Dreck am Stecken haben. Dass er (oder sie) ein Steuerbetrüger ist, das steht fest und kann nur die Spitze des Eisbergs sein. Lass uns mal ein Stückchen weitergraben …wir finden schon was! Und dann verhaften wir die üblichen Verdächtigen.

 

Ich hab ehrlich gesagt langsam die Nase voll, von Neidgesetzen und Neid-Rhetorik aus bestimmten Lagern. Anstatt dass wir die Leute zu mehr Leistung anspornen und wir es ihnen gönnen, wenn sie sich was gönnen können (am Ende auch konsumieren!), machen wir sie nieder und stellen sie unter Generalverdacht. Aber wie soll das gehen? Eine(r) muss diesen ganzen Bums bezahlen. Das sind nicht die Transferleistungsempfänger (von denen viele die Leistungen zu Recht bekommen, aber nicht alle), sondern die, die jeden Tag zur Arbeit gehen, auch wenn´s mal keinen Spaß macht. Die Steuern zahlen und Abgaben. Die möchten, dass es ihnen oder ihren Kindern einmal besser geht. Und wenn die sich dann endlich was leisten können, dann kriegen sie eins auf den Deckel oder müssen sich noch beleidigen lassen.

 

Wer hat da noch Bock auf Leistung, wenn eine Automarke in der Einfahrt die Steuerfahndung triggert?

 

Es muss ein Ruck durch das Land gehen, das stimmt schon, aber keine Hexenjagd auf Leistungsträger*innen.

 

Vielleicht fangen wir mal mit den Unternehmen an, die in Deutschland gute Geschäfte machen, die unseren Wohlstand und unsere Infrastruktur nutzen, aber in Deutschland keinen Cent Steuern zahlen? Tja Lars Klingbeil, dazu bräuchte man halt die nötigen Cojones. Denn sind die zu stark, dann bist du zu schwach!

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